3. CDKL5 Konferenz

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Vom 2.-3. Juni 2016 findet in Birmingham die nächste CDKL5-Konferenz rund um die aktuelle Forschung statt. Willkommen sind alle interessierten Forscher und Familien. Erwartet werden wieder zahlreiche spannende internationale Beiträge der Forscher, die sich mit der Aufklärung und  zukünftigen Heilungsmöglichkeiten von CDKL5 befassen. Betroffene Familien können sich gegenseitig kennenlernen und austauschen. Die Konferenz findet im  The St Johns Hotel

651 Warwick Road, B91 1AT Birmingham statt. Wer teilnehmen möchte, kann sich weiter über die dazugehörige Facebook-Seite informieren.
 
Das aktuelle Programm:
 
 

 

Zusammenfassung der Vorträge am Tag 1 auf der 3. Europäischen CDKL5-Konferenz “United in Hope” in Birmingham am 2.6.2016

Endlich ist es so weit. Endlich gibt es Neuigkeiten zum Stand der Forschung bei CDKL5. 19 Redner berichten am ersten Tag von Ihren Forschungen, dem Leben mit und die ehrenamtliche Organisation rund um CDKL5.

Adrian Partridge begrüßt die Teilnehmer
Adrian Partridge begrüßt die Teilnehmer

Eröffnet wird die Veranstaltung von den Gastgebern (CDKL5 UK) Carol-Anne und Adrian Partridge. Sarah Skillicorn erzählt über das Leben als Eltern eines CDKL5-Kindes und Nathan Partridge über das Leben als großer Bruder eines Mädchens mit CDKl5-Mutation.

Anschließend beginnt der wissenschaftliche Teil der Veranstaltung mit zwei Einführungen, extra zum Verständnis der vielen anwesenden Eltern, Betreuern und Großeltern gemacht:

 

Sunny Philip, Neurologe aus dem Kinderkrankenhaus Birmingham, der 8 CDKL5 Patienten aktuell behandelt, berichtet über den aktuellen Stand bei der CDKL5-Behandlung in UK.

Sunny Phillips über die Behandlung von Anfällen bei CDKl5
Sunny Phillip über die Behandlung von Anfällen bei CDKl5

Das CDKL5-Gen enthält die Anleitung für den Bau eines Proteins, das eine normale Gehirnentwicklung benötigt. Mutationen auf diesem Gen bedeuten, dass das Protein, das durch diese Anleitung gebildet werden soll, nicht korrekt gebildet werden kann und somit keine normale Gehirnentwicklung stattfinden kann.

Wodurch werden CDKL5-Fälle also bemerkt? Die ersten Lebenswochen verlaufen normal, dann tauchen bei 90% der Kinder innerhalb der ersten drei Monate epileptische Anfälle auf, unterschiedlichster Art (z.B. epileptische Spasmen, tonisch-tonische Anfälle, vibrierende Anfälle, generalisierte tonisch-klonische Anfälle, Myoklonien oder hypermotorisch spastische Anfallssequenzen. Ausserdem fallen früh einsetzende Entwicklungsstörungen auf.

Im EEG tauchen dabei folgende Unregelmäßigkeiten auf: In den ersten Lebenswochen z.T. normale EEGs, danach verlangsamt, multifokale Abnormalitäten, oft in Zusammenhang mit Hypsarrhythmie.

Die Anfälle sind schwer mit Antiepileptika zu kontrollieren, die meisten CDKL5-Patienten benötigen mehrere Antiepileptika und können auch durch diese keine komplette Anfallsfreiheit erreichen. Auch die Ketogene Diät oder ein VNS wirken nur in einzelnen Fällen positiv auf das Anfallsleiden.

Oft (50% der Fälle) gehen Anfallshäufigkeiten nach dem 3. Lebensjahr stark zurück oder hören ganz auf. Häufig wird CDKL5 falsch diagnostiziert als Otohara Syndrom, West Syndrom oder Lennox-Gastaut Syndrom. Die nächste Generation der Gensequenzierung wird dieses Problem hoffentlich beheben, denn es ist nun einfacher all diese Syndrome auf einmal zu testen.

Warum ist die Diagnose einer CDKL5-Mutation wichtig? Eine CDKL5-Diagnose vereinfacht die Behandlung und Beobachtungsmöglichkeiten für die Ärzte und vermeidet eine Überdosierung bzw. eine übermäßige Gabe von Antiepileptika. Es kann der Fokus auf die Verbesserung der Lebensqualität beim CDKL5-Patienten gelegt werden, die Betroffenen können sich in CDKL5-Netzwerken gegenseitig helfen und der Patient besser in die Gesellschaft integriert werden.

CDKL5 wird meistens durch den Neuropädiater diagnostiziert. Wenn es keine Exzellenzzentren geben wird, haben einzelne Krankenhäuser nicht mehr als 10 Fälle Erfahrung.

In England sollen deshalb zwei „Centres of Excellence für CDKL5“ im Bristol Children’s Hospital und Birmingham Children’s Hospital entstehen, wo CDKL5-Fälle gebündelt behandelt werden und sich Kompetenzteams aufbauen, bestehend aus auf die Kommorbiditäten (Begleiterscheinungen der Genmutation, wie z.B. Epilepsie, Magen-Darm-Probleme, Sehschwächen…) spezialisierten und zusammenarbeitenden Ärzten, Krankenpflegern und einem fundierten Netzwerk über die jeweils aktuell verfügbaren Behandlungsmethoden bei CDKL5. Die Bündelung der Fälle an einem Zentrum erlaubt es viel mehr Parallelen zwischen Fällen zu ziehen und den Ärzten Erfahrung aufzubauen, ein Problem, was wir in Deutschland sehr stark erleben, denn die Neurologen behandeln jeweils nur einzelne CDKL5-Patienten, die Gastro-Enterologen wiederum….und haben damit wenig CDKL5-Erfahrung.

Was sind die aktuellen Herausforderungen bei CDKL5?

Das komplette Spektrum der Genmutation ist noch unklar und die Mutation damit noch nicht voll erforscht. Die Diagnose ist nicht einfach. Die Fachkräfte kennen nicht das vollständige klinische Bild und die angebotenen Dienstleistungen in den Krankenhäusern (bei uns in Deutschland auch in den Sozialpädiatrischen Zentren) sind nicht so konzipiert, dass einzelne, seltene Mutationen immer gleich gut behandelt werden können.

 

M. Jafar – Die Loulou Foundation (Loulou Stiftung)

 

Majid Jafar über die Loulou Foundation
Majid Jafar über die Loulou Foundation

Die Loulou Foundation ist der Hauptsponsor der diesjährigen CDKL5-Konferenz und wurde vom Vater eines CDKL5-Kindes vor über einem Jahr gegründet. Die Loulou Foundation unterstützt ausschließlich die Forschung zur Heilung von CDKL5 weltweit und hat zu eben diesem Zwecke nun eine Wissenschaftliche Direktorin eingestellt, (CSO) Ashley Winslow in Kooperation mit dem Orphan Disease Center der University of Pennsylvania eingestellt.

Jafar berichtet, dass in letzter Zeit vermehrt große Pharmakonzerne auf ihn zukommen, um von ihm unterstützte Projekte zu erwerben, denn es sei ihnen aufgefallen, dass CDKL5 ein Syndrom wäre, was nur ein Gen betreffe, und dies eine unkompliziertere Forschung wahrscheinlicher mache, da nicht mehrere Gene berücksichtigt werden müssen, wie bei vielen anderen, derzeit populären seltenen Erkrankungen.

Zudem sei CDKL5 kein degressive Mutation, was bedeutet, dass die Mutation keine Zellen zerstört und zu einem verfrühten Tod führt. So hat z.B. PTC eine klinische Studie zu CDKL5 Nonsense Mutationen angekündigt, dazu ein Medikament verwendend, welches bereits auf dem Markt ist. (Also werden nun bereits existente Medikamente erforscht, die bei CDKL5 helfen könnten.) Für diese Studie werden in 4,5 Jahren Ergebnisse erwartet mit der Hoffnung in 9,5 Jahren eine Heilungsmöglichkeit gefunden zu haben.

Das CDKL5-Gen ist nur in höheren Lebewesen vorhanden, z.B. nicht in Fruchtfliegen und Würmern, was natürlich klinische Tests auch erschwert und hinauszögert.

Projekte, die derzeit von der Stiftung unterstützt werden sind:

  • Gen-Korrektur: der Versuch das mutierte Gen zu korrigieren
  • X-Reaktivierung: der Versuch das gesunde, ausgeschaltete X-Chromosom bei Mädchen zu reaktivieren
  • Neue Verwendungszwecke für bereits existente Medikamente finden
  • Neue Produkte gegen Epilepsie zu finden

Es soll eine Datenbank für die Pharmaforschung geschaffen werden, die von Ärzten validierte Informationen über die Patienten enthält (z.B. ist die umfangreiche Studie vom Telethon Institute in Australien zwar sehr wertvoll, kann aber für pharmazeutische Zwecke nicht verwendet werden, da die von Eltern eingegebenen Daten nicht von Medizinern bestätigt wurden.)

Jafar rät den betroffenen Eltern mit ihren Kindern Ärzte zu besuchen, die mehrere CDKL5-Patienten behandeln, wünscht mehr Zusammenarbeit der europäischen Organisationen untereinander.

 

Ralph Hector – Neue Charakterisierung des menschlichen CDKL5-Gens

Ralph Hector über  das CDKL5 Gen
Ralph Hector über das CDKL5 Gen

Ralph Hector, Forscher von der Uni Glasgow spricht über die Lücken in der Gentranskription des CDKL5-Gens. Dazu hat er das Gen mithilfe der Bioinformatik sequenziert (ausgelesen) und herausgefunden, dass das CDKL5-Gen Auswirkungen auf das Gehirn, die Nieren, den Hoden, die Lunge, Leber und Milz hat. CDKL5 hat 22 Exone. Es gibt noch Exone, die noch nicht komplett charakterisiert wurden. darüber, dass es für die unkompliziertere Forschung nötig wäre das Exon 16b auf dem CDKL5-Gen in Exon 22 umzubenennen. Auf dem CDKL5-Gen sind 244 verschiedene Mutationen möglich, davon 160 pathogene Mutationen.

Den gesamten Artikel und den Abstract findet Ihr hier.

 

Charlotte Kielstrup-Nielsen – Auf dem Weg zu einem besseren Verständnis, welche Wirkung CDKL5 auf die Zellen hat

Charlotte Kielstrup-Nielsen - was CDKL5 in den Zellen bewirkt
Charlotte Kielstrup-Nielsen - was CDKL5 in den Zellen bewirkt

Frau Kielstrup-Nielsen hat herausgefunden, dass CDKL5 als Regulator der Zellstruktur dient.

Die Zelle wächst in 5 Stufen. Die Exon-Form in einer mutierten CDKL5-Zelle ist deformiert. In CDKL5-also bei der Bildung der Zelle ab 3. Stufe verändert, verkürzt.

Die  Zellen mit CDKL5 haben ordentliche Form, sind gut organisiert. Wenn CDKL5 ausgeschaltet wird, haben die Zellen keine normale Form, sind unordentlich, die Zellen sind signifikant kleiner, es werden microtubal dynamische Probleme vermutet.

Frau Kielstrup-Nielsen hat auch Interaktionäre mit CDKL5 gesucht. Mit Hilfe von Hefezellen hat sie das IQGAP1 Protein gefunden. Großes Protein und Plattform, die Netzwerke der Zellen reguliert. Diese Proteine binden die Microtubals. IQGAP1 ist wichtig für neuronale Funktionen. In Tests mit Labormäusen interagieren CDKL5 und IQGap1. Wenn die CDKL5-Zelle stillgelegt wird, resultiert Zellenmotilität.

CDKL5 beeinflusst zudem die intrazelluläre Verteilung von IQGAP1. Lokalisierung von IQGAP1 ist verändert, wenn CDKL5 fehlt.

 

Mike Cousin (statt Giles) – Edinburgh

Mike Cousin Edinburgh- Was führt zu CDKL5
Mike Cousin Edinburgh - Was führt zu CDKL5

Suchen auf sekundärem Weg nach Therapie über die Gründe, die zu CDKL5 führen.

Was aktiviert die Proteinaktivität von CDKL5? (John Rouse)

Welche Rolle spielt die Umwelt? Es passiert im ersten Lebensjahr, also was genau passiert da alles

Ein auf Hypothesen basierter Ansatz:

-Die größten Veränderungen einer CDKl5-Mutation finden in den ersten Lebensmonaten statt, ab da ist das Gehirn stark verändert. Frühe molekulare Störungen aufgrund des CDKL5 Defizits.

Das in den Zellen vorhandene Glutamat wird nicht erkannt, die Rezeptoren dafür sind verändert. Glutamat wird anders freigegeben bei CDKL5 Mutation.

Damit unsere Synapsen korrekt funktionieren, müssen die Vesikel anschliessend recycled werden. Bei CDKL5-Patienten läuft dieses Recycling verlangsamt (Endocytosis). Zu wenig CDKl5 beschleunigt potentiell die Endocytosis.

Zukünftige Ziele: Untersuchungen ob auch Medikamente die zerstörte Hirnleistung wiederherstellen können. In Ratten funktioniert es, allerdings noch nicht mit CDKL5 erprobt, nur mit anderen Mutationen, man erwartet aber Parallelen, sollte ein Medikament vorhanden sein.

 

Ivan Dundee - Identifying Substrates and Regulators des CDKL5-Gens

Ivan Dundee über Substrate und Regulatoren bei CDKL5
Ivan Dundee über Substrate und Regulatoren bei CDKL5

Die Studie von Herrn Dundee wird von der LouLou Foundation gesponsert.

Wie fuktioniert CDKL5 in Zellen? CDKL5 ist eine Protein Kinase. Eine Proteinkinase ist ein Enzym (ein Stimulus für ein Protein. Je nach Stimulus ändert eine Zelle ihr Verhalten.

Wir kennen für CDKL5 noch nicht den Stimulus, der CDKL5 aktiviert.

Wenn man CDKL5-Substrate identifizieren könnte, könnte man verstehen, wie es die Gehirnfunkiton kontrolliert.

 

Tommaso Pizzorusso – Kortikale Defekte in einem CDKL5-Mausmodell

Tommaso Pizzorusso über Kortikale Defekte bei CDKL5- Mäusen
Tommaso Pizzorusso über Kortikale Defekte bei CDKL5- Mäusen

Der Verlust von Dendritischen Dornen geht einher mit dem Verlust von Synapsen. Gibt es eine Möglichkeit die Synapsen vor dem Stutzen dieser Dornen zu schützen? Pizzorusso versucht es über das nahegelegene Gen IGF1, welches in Menschen und Mäusen kortikale Sehbeeinträchtigungen hervorruft. Wenn diese Beeinträchtigungen auftreten, korrelieren sie dann mit anderen Beeinträchtigungen?

(Dieser Vortrag wurde von der Hörerin nicht perfekt verstanden, weshalb sich unter diesen Informationen Fehler befinden können.)

 

David Miller – Die Bedeutung von mTor bei CDKL5

mTor ist eine Threomine Kinase, die in zwei verschiedenen Komplexen gefunden wird

(Diese Forschungsergebnisse wurden womöglich nicht korrekt verstanden und sind bitte beim Forscher selbst zu erfragen.)

 

Claudia Fuchs – Wiederherstellung  der AKT/GSK3 Signalisierung als mögliche Therapieform bei CDKL5

Claudia Fuchs über Wiederherstellung der AKT-GSK3 Signalisierung als mögliche Therapieform bei CDKL5 Kopie

Der Ansatz von Claudia Fuchs und ihren Kollegen aus Bologna versucht die über die Wiederherstellung des bei CDKL5-Mutationen gestörten Signalpfads AKT/CSK3?ß (wichtiger Inhibitor von neuronalen Funktionen) eine mögliche Behandlungsoption für CDKL5 zu finden.

Sie testet das an CDKL5-Mäusen (Knockout Mäuse, mit einem abgeschalteten CDKL5 Gen auf dem X-Chromosom), die allerdings weniger Neuronen als wir Menschen haben, aber bei ihnen besteht wie beim Menschen auch beeinträchtigte Synapsen Konnektivität (Synapsen können nicht richtig schließen). Dafür wird den Mäusen das Medikament, ein GSK3ß-Blocker, verabreicht. Dies soll die abweichende Gehirnreifung korrigieren. Die CDKL5-Mäuse entwickeln sich nach Gabe von GSK3ß-Blocker normal, die Neuronen der Mäuse leben mit GSK3ß-Blocker länger. Die Entwicklung der Wirbelsäule wird auch komplett normalisiert in den CDKL5-Mäusen. Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass das Medikament GSK3ß-Blocker einen positiven Effekt auf die Entwicklung des Hippocampus hat und die synaptische Konnektivität wiederherstellt und damit eine wirksame Behandlung von CDKL5 im Menschen sein kann.

 

Maurizio Giustetto – Die Daten zu diesem Vortrag dürfen nicht veröffentlicht werden

 

Zusammenfassung 2. Tag: CDKL5 Konferenz in Birmingham 2.-3. Juni 2016

Am zweiten Tag der Konferenz ging es um ein Update über die Behandlung von CDKL5 aus der Molekularbiologie und darum mit den alltäglichen Problemen bei CDKL5 umzugehen zu lernen:

 

Paul Ross – DNA Editierung in Rett / CDKL5

Paul Ross zu DNA-Editierung in Rett und CDKL5
Paul Ross zu DNA-Editierung in Rett und CDKL5

 

Ross untersucht seit 15 Jahren ein Mäusemodell und konnte darin nachweisen, dass zu viel MECP2 (das ist das Gen, auf dem das Rettsyndrom liegt) toxisch wirkt, denn es ruft ein Leberversagen hervor. Es gibt drei mögliche zukünftige Behandlungsformen von Rett-Syndrom: DNA-Therapie, Protein-Therapie und die mRNA-Therapie (die Boten-DNA, das einzelsträngige DNA-Transkript eines zu einem Gen gehörigen Teilabschnitts der DNA). Im vorhandenen Mäuseprojekt wird die „Transspleißen“ Methode benutzt, um die mutierten Exone durch gesunde zu ersetzen, damit das Protein normal funktioniert. Bis jetzt gibt es aber keine Lösung, um das Exon zu binden, danach forscht Dr. Ulrich Keller (Salzburg) jetzt z.B. mit dem Bindestoff „fluorescent protein GFP“, jedoch wird nur mit dem MECP2-Gen gearbeitet, da das CDKL5-Gen viel komplexer ist.

 

Elisabetta Ciani – Proteinersatztherapie

Elisabetta Ciani über Proteinersatztherapie bei CDKL5
Elisabetta Ciani über Proteinersatztherapie bei CDKL5

Zur Heilung von CDKL5 sind in Theorie drei Behandlungswege möglich: medikamentöse Behandlung (Minderung der Symptome), Gentherapie (Ersetzen/Stilllegen des betroffenen Gens) oder eine Proteinersatztherapie (das Protein, welches bei CDKL5-Mutation nicht korrekt gebildet werden kann, zu ersetzen).

Die vielversprechenste Methode wäre das Ersetzen des mutierten Gens, d.h. eine gesunde Kopie würde ins Gehirn eingefügt. Diese Methode birgt gleichzeitig auch die größten Risiken.

Die Proteintherapie hingegen, könnte optimal dosiert werden und würde nur ein geringes Risiko der Immunabwehr beinhalten. Deshalb arbeitet Frau Ciani an einer Proteinersatztherapie für CDKL5, um die Gehirnentwicklung und –funktion zu verbessern. Anfangs gestaltete es sich schwierig das Protein zu produzieren und anschließend zu purifizieren. Danach stellte sich die Frage, wie die neuen Zellen von den CDKL5-Zellen aufgenommen werden können.

Anhand eines Mausmodell wurde dies ausprobiert. CDKL5-Mäuse zeigen einige der für Menschen typischen CDKL5-Merkmale (Schlafprobleme, Atemprobleme, sich kreuzende Gliedmaßen… aber keine Epilepsie!). Die Behandlung der Mäuse mit dem hergestellten Protein (TAT-CDKL5) kann tatsächlich die Reifung der Neuronen wiederherstellen (die dendritische Länge wird normalisiert, die Dichte der Dornen ebenfalls und die Synapsen können sich normal schließen) und lässt in Mäusen die typischen CDLK5-Merkmale verschwinden. Die Wirkung tritt bei Mäusen schon eine Stunde nach der ersten Behandlung ein. TAT-CDKL5 kann aus Zellen produziert werden. Nun stellt sich die Frage, ob dieser Prozess in klinischen Tests wiederholt werden kann und denselben Effekt hat.

 

Farid Khan (sprach nicht selbst)) – Neue Verwendungszwecke für alte Medikamente

Proteine gelten als Motor des Lebens. Sie bestehen aus 20 Aminosäuren und steuern essentielle physische und chemische Prozesse im Leben. Diese Studie möchte vorschlagen auch zur Heilung für CDKL5 bereits existierende Medikamente zu untersuchen, um 20 Jahre der Entwicklung, des Testens und viel Geld zu sparen. Erfolgreich wird das z.B. bei Malaria gehandhabt, denn gegen die gängigen Medikamente entwickeln sich immer wieder Resistenzen.

 

Sunny Philip – Anfallsmanagement bei CDKL5

 

Sunny Phillips über die Behandlung von Anfällen bei CDKl5
Sunny Phillip über die Behandlung von Anfällen bei CDKl5

CDKL5 charakterisiert sich durch variierende Anfallstypen, die meist in sehr frühem Lebensalter einsetzen: tonisch-tonisch vibrierend, Myoklonien, hypermotorische tonische Spasmen Sequenzen, generalisierte tonisch-klonische Anfälle, verlängerte Absencen, Apnoeisch und motorisch komplex mit oralen Automatismen.

Die EEG-Muster charakterisieren sich wie folgt: diffus und verlangsamt, multifokale Abnormalitäten und oft mit Mustern der Hypsarrythmie

Philip teilt die Entwicklung von CDKL5-Genmutationen in drei Stufen ein:

  1. Frühe Epilepsie (beginnend 1-10. Lebenswoche) mit normalem EEG trotz häufiger, konvulsiver Anfälle
  2. Gefolgt von epileptischer Encephalopathie mit infantilen Spasmen und Hypsarrhythmie
  3. Ab dieser Stufe sind 50% der Kinder anfallsfrei, die anderen 50% zeigen tonische Anfälle und Myoklonien (meist ab ca. einem Lebensalter von 3 Jahren)

Philip fasst die Studie „Retrospective evaluation of low long-term efficacy

of antiepileptic drugs and ketogenic diet in 39

patients with CDKL5-related epilepsy“ (Retrospektive Bewertung von geringer Langzeiteffektivität von Antiepileptika und der Ketogenen Diät bei 39 Patienten mit CDKL5-zusammenhängender Epilepsie) von A. Müller et al. (erschienen: european journal of p a e d i a t r i c neurology 20,2016, S. 141-151)  wie folgt zusammen:

 

Getestet wird die Effektivität von Antiepileptika 6 Monate nach Beginn der Gabe. Felbamat, Vigabatrin, Valproat, Cortison, Clobazam, Clonisamid, Lamotrigin helfen manchen Kindern, dennoch gibt es kein Medikament, welches allen Kindern gegen Anfälle hilft. Manche Antiepileptika verschlimmern das Anfallsleiden bei CDKL5 sogar.

Die ketogene Diät reduziert Anfälle signifikant, jedoch ebenfalls nicht bei allen Kindern. Dennoch gibt es auch nach der Beendigung der ketogenen Diät (1-2 Jahre Diät) noch einen langanhaltenden Effekt in Bezug auf die Anfälle.

Bei CDKL5 gibt es bisher keine Erfahrungen mit Cannabidiol, nur für Dravet-Syndrom wurde es bisher untersucht. Man kann daher bisher nicht sagen, ob eine Behandlung der Anfälle mit Cannabidiol erfolgsversprechend sein könnte. Es gibt wohl eine Studie, die zu diesem Thema gerade läuft und Philip bittet Eltern und Ärzte die Ergebnisse abzuwarten, um sicher zu sein, dass durch Cannabidiol nicht mehr Schäden als Vorteile entstehen.

 

(Auch die drei anderen Ärzte, die zu diesem Zeitpunkt auf der Bühne sitzen würden Cannabidiol nach derzeitigem Wissensstand keinesfalls verordnen.)

 

Philip ist deshalb der Meinung, dass Übermedikation mit Antiepileptika vermieden werden sollte. Er weist auf den großen Bedarf für neue Behandlungsmethoden hin. Eine nichttherapeutische Dosis (sehr geringe Dosis) kann in Einzelfällen besser gegen Anfälle bei CDKl5-Mutation helfen. Es kann aber nicht generalisiert werden.

 

 

Patrick Forcelli (Georgetown University, USA)– Antiepileptika und neurale Entwicklung

 

Patrick Forcelli über Antiepileptika und neurale Entwicklung bei CDKL5
Patrick Forcelli über Antiepileptika und neurale Entwicklung bei CDKL5

Diese Studie wurde von GlaxoSmithKline gesponsert. Die zu überprüfende These ist: Wirken Antiepileptika, die bei Babys gute Wirkung zeigen, auch bei Erwachsenen ebenso gut? Anhand eines Modells mit Ratten sollte überprüft werden, ob Antiepileptika bei Ratten verschiedenen Alters die selbe Wirkung zeigen. In der Studie wurde gezeigt, dass die Einzelgabe von verschiedenen Antiepileptika einen neuronalen programmierten Zelltod induziert hat (ausser die Gabe von Levetiracetam). So z.B. Phenobarbital, welches, wenn in frühem Alter gegeben, bei Ratten das Gedächtnis schädigt.

Dies ist ein Hinweis, dass eine Therapie mit mehreren Medikamenten (Polytherapie) Zellen verkürzen kann. Ausserdem wurde herausgefunden, dass bei Ratten Phenobarbital, wenn es gleichzeitig mit Melatonin verabreicht wird, einen größeren antiepileptischen Effekt hat, man also weniger Phenobarbital für die dieselbe antiepileptische Wirkung benötigt.

 

Forcelli betont, dass nicht genügend Daten vorhanden sind, um eine rationale Medikamentenauswahl zu treffen, die ohne Nebenwirkungen anfallsfrei machen könne. Es werden unbedingt weitere Daten über die Effektivität und Sicherheit von gängigen Antiepileptika benötigt.

 

Eveline Hagebeuk – Schlafunregelmäßigkeiten bei CDKL5

Eveline Hagebeuk arbeitet in einem Schlafzentrum in den Niederlanden. Sie hat festgestellt, dass 72% der CDKL5-Kinder täglich Anfälle erleiden, 7% wöchentlich, 14% monatlich und 7% anfallsfrei sind. Was die körperliche Entwicklung betrifft, so könnten 75% mit fünf Jahren ohne Unterstützung sitzen, 26% lernen alleine zu stehen, 22% alleine zu laufen, 50% können greifen, 24% einzelne Worte sagen, 80% zeigen Handstereotypien und 50% leiden an Schlafstörungen.

 

In ihrer Studie untersucht sie vier CDKL5-Fälle, Kinder unterschiedlichen Alters, auf ihre Schlafgewohnheiten. Dafür wird ein Anfangs-Schlaf-EEG gemacht und nach vier Jahren wiederholt.

 

Sie stellt fest, dass die Schlafeffizienz bei CDKL5 sehr gering ist. CDKL5-Patienten schlafen nur 60% der Zeit, die sie im Bett verbringen, normal wären 90%. Sie wachen auch viele Male pro Nacht auf: 7-52 Mal und haben eine sehr kurze Gesamtschlafzeit 5-8 Stunden, normal wären 10-12 Stunden in den untersuchten Altersgruppen. Die meisten Kinder verbringen eine normale Zeit im Bett, schlafen davon aber zu wenig. Mit steigendem Alter wird die Schlafdauer noch kürzer. Jedoch wenige Aufwacher sind Anfällen geschuldet.

 

Hagebeuk empfiehlt den Eltern und Betreuern die Kinder zum Schlafen in einen dunklen Raum zu legen, sie möglichst tagsüber nicht schlafen zu lassen, das Kind im Bett zu lassen und nicht zwischendurch aus dem Bett zu nehmen, nachts nicht zu kuscheln. Eine schwere Decke oder ein Schlafzelt können das Einschlafen erleichtern.

 

Hagebeuk hat festgestellt, dass Clobazam (Benzodiazepam) dafür sorgt, dass die Schlafqualität steigt.

 

 

Sam Amin – Komorbiditäten (Begleiterkrankungen) bei CDKL5

 

Sam Amin über Begleiterkrankungen bei CDKL5
Sam Amin über Begleiterkrankungen bei CDKL5

Epilepsie: Amin nennt Vigabatrin als die am häufigsten erfolgreiche Medikation gegen Anfälle bei CDKL5 aus einer Untersuchung an 44 Kindern. Auch die ketogene Diät habe relativ häufig gute Wirkung gegen Anfälle.

 

Herzschwäche: ca. 25% der CDKL5-Kinder leiden an Arrythmie

 

Von Sam Amin ist ein Videobeitrag auf Youtube vorhanden (auf Englisch)

 

Caroline Waldron – Kortikale Sehbeeinträchtigungen (KSB)

 

Kortikale Sehbeeinträchtigungen sind Sehbeeinträchtigungen, die nicht im Auge entstehen, sondern durch den Mangel der Verarbeitung von Seheindrücken im Gehirn. Kortikale Sehbeeinträchtigungen können durch einen speziellen Test diagnostiziert werden, der bestimmte Reaktionen und Verhaltensweisen von KSB überpüft (nach Gordon Dutton). Normal sehende Menschen gewinnen 80% ihrer Informationen über ihre Augen.

 

Kinder mit KSB müssen lernen ihre Augen zu benutzen. Sie bevorzugen starke Farben und Kontraste (rot und gelb, schwarz und weiss) und Bewegung mit den Augen wahrzunehmen und einen Teil des gesamten visuellen Feldes (z. B. schauen sie meist nach oben links oder rechts), die Komplexität des Gesehenen kann nicht oder sehr schlecht verarbeitet werden, Entfernte Dinge überhaupt nicht wahrgenommen werden. KSB Kinder können nicht mit den Augen Dinge suchen. Wenn man das Sehen üben möchte, soll ein Raum keine weitere Reize enthalten, das Kind auch nicht berührt werden, keine Musik oder Fernseher laufen usw.

 

 

Es folgten noch Beiträge über Wassergymnastik, Tanz- und Musiktherapie, die sich aber nicht speziell auf CDKL5 bezogen und deshalb an dieser Stelle nicht zusammengefasst werden.

 

Die englische und wissenschaftliche Zusammenfassung dieser Konferenz findet Ihr hier.